daniela bretscher
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Robert Delaunay
Die Bewegtheit simultaner Farbkontraste


 
Abstract: Robert Delaunay definiert als Basis der Malerei die Farbe mit ihren Gesetzen und Kontrasten, ihren langsamen und schnellen Vibrationen und ihren Intervallen. Wesentlich sind für ihn die unterschiedlichen Beziehungen, die zwischen den Farben denkbar sind. Sie bilden die Grundlage von Delaunays Malerei; einer Malerei die nicht mehr imitativ, sondern imaginativ ist. Delaunay erkannte, dass das in ständiger Bewegung und Veränderung begriffene Licht selbstständige Farbformen erzeugt, die unabhängig sind von der Anwesenheit von Objekten, und dass eine bestimmte Harmonie, gebildet aus kontrastbildenen Farbflächen, imstande ist, diese Lichtbewegungen wiederzugeben. Bewegung und Tiefe treten gleichzeitig, simultan auf, ausgelöst durch den simultanen Kontrast der Farben. Der Simultankontrast ist für Delaunay ein Bindeglied zwischen der erlebten Bewegung und der darüber hinausgehenden Erfahrung der Inspiration. Die sichtbare Bildoberfläche gewinnt durch das von den Farben bewirkte Erlebnis der Tiefe eine räumliche Dimension hinzu. Die konzentrierte Wahrnehmung der Bildeinheit enthält auch eine zeitliche Komponente, die durch die Betrachtungsdauer erst entsteht. Delaunay führte als Beschreibungskriterien für die Bewegtheit der Farben die Begriffe 'Vibration' und 'Dissonanz' ein. Beides sind Begriffe, denen Rhythmik eingeschrieben ist, ein wesentliches Element auch der Poesie. Delaunay hatte einen grossen Vorgang im Auge: Eine Einheit von Kunst und Leben, eine vitale Ausdehnung und Wirkung seiner Werke, eine Ausdehnung der Kunst auf das Leben. Seine Bilder sind wie das Licht Entfaltungen des Sehens.