Wassily Kandinsky
Über das Geistige in der Kunst





Abstract: Kandinskys Buch 'Über das Geistige in der Kunst' wurde im Dezember 1911, versehen mit dem Datum 1912, bei Piper veröffentlicht und erfuhr im Zeitraum von Weihnachten 1911 bis zum Herbst 1912 drei Auflagen. Dies kann als Hinweis darauf gelten, dass Kandinskys Gedankenwelt an Vorstellungen rührte, die von grossem allgemeinem Interesse waren. Seit der Jahrhundertwende war in Wissenschaft und Kunst ein grosser Wandel im Gange, der die gesamte geistige Atmosphäre veränderte. Kandinsky, der sich nicht nur für die Kunst, sondern auch für Wissenschaft und Philosophie interessierte, nahm neue Erkenntnisse auf und integrierte sie in seine Theorie über die Kunst. Die Zeit, in der Kandinsky lebte, stand im Spannungsfeld zwischen Logos und Intuition, Wissenschaft und Kunst. Bedingt durch seine Vergangenheit als Jurist und Nationalökonom und durch seine spätere Tätigkeit als Maler stand er selbst ebenfalls zwischen gegensätzlichen Polen und strebte stets nach Integration, ohne einen der beiden Standpunkte vernachlässigen zu wollen. Dies hat in seinen Bildern - die Ausdruck sind seines Wirkens hin zur abstrakten Malerei - zum Oszillieren zwischen Improvisation und Komposition geführt. Kandinsky hat wiederholt dargelegt, dass sowohl Künstler als auch Betrachter schrittweise an die Abstraktion herangeführt werden müssen, damit die unterschiedlichen Bedeutungsebenen der gegenstandslosen Malerei nicht verlorengehen. Die Betonung des Prozesshaften erscheint als ein ein wesentliches Merkmal sowohl der theoretischen Arbeit als auch der Gemälde Kandinskys.